Absturzunfälle: Arbeitssicherheitsbestimmungen für Hubbühnen und Leitern

Absturzunfälle: Arbeitssicherheitsbestimmungen für Hubbühnen und Leitern

Sturzgefahren werden unterschätzt

Absturzunfälle im Betrieb: es gibt zum Thema Arbeitsschutz neue Branchenregeln für den Metallbau. Die neue DGUV-Branchenregel 109-607 „Metallbau“ bietet hierzu einen umfassenden Überblick. Als Arbeitgeber solltest du dich hierzu unbedingt informieren. In diesem Artikel erfährst du die Arbeitsschutzmaßnahmen zur Vermeidung von Stürzen sowie die neue Regel zum Arbeitsschutz.

Jedes Jahr erleiden nach Angaben von Public Health weltweit etwa 37 Millionen Menschen Sturzunfälle, die medizinisch behandelt werden. Circa 646.000 Menschen sterben daran. Pro Jahr erleiden circa 1,8 Millionen Erwachsene in Deutschland eine Verletzung durch einen Sturz, die medizinisch versorgt wird, weiß die Springer Medizin Verlag GmbH zu berichten. Demnach liegen Stürze im Verkehrsbereich bei 35,5 % und im häuslichen Bereich bei 30,9 %. Männer stürzen häufiger auf der Arbeit als Frauen: 22,5 % gegenüber 6,1 %. 71,4 % der Sturzunfälle von Beschäftigten führen zu einer Krankschreibung. Abgesehen von den Folgen für betroffene Arbeitnehmer kann das auch für dich als Arbeitgeber fatale Folgen haben. Es ist egal, ob dein Mitarbeiter bei dir im Büro, auf der Baustelle, in der Werkstatt oder im Homeoffice stürzt. In jedem Fall wird zuerst auf die Verantwortung des Arbeitgebers geschaut.

In diesem Artikel erfährst du:

Arbeitsschutzmaßnahmen zur Vermeidung von Stürzen

Absturzunfälle lassen sich auf die folgenden vier Ursachen zurückführen:

  • Fehltritte
  • Ausrutschen
  • Umknicken
  • Stolpern

Stürze machen nach Angaben der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) circa ein Viertel (25 Prozent) aller Unfälle in den Arbeitsstätten aus. Mancher Arbeitnehmer stürzt in eine bewegte Maschine, eine Anlage oder aus großer Höhe. In der Folge ziehen sich die Betroffenen erst dadurch Verletzungen zu. Im Homeoffice ist die Trennung zwischen versicherter Berufstätigkeit und privater Aktivität nicht immer trennscharf abzugrenzen. Ein herumliegendes Spielzeug, eine rutschige Treppe oder eine Teppichkante können auf dem Weg zum Drucker, zur Küche oder zur Toilette schnell zur Stolperfalle werden. Als Arbeitgeber bist aber zuerst allein du für die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz deines Mitarbeiters persönlich verantwortlich. Das gilt natürlich auch im Homeoffice, weil dein Mitarbeiter ja dort für dich beruflich tätig ist. Deswegen verlangt der Gesetzgeber nach dem Arbeitssicherheitsgesetz (ASiG) von dir, dass du für das Homeoffice deines Mitarbeiters eine aktuelle Gefährdungsbeurteilung vorhältst.

Mehr über die Gefährdungsbeurteilung-Homeoffice hier erfahren

Neue Regeln im Arbeitsschutz

Die „DIN EN ISO 13287: Persönliche Schutzausrüstung – Schuhe – Prüfverfahren zur Bestimmung der Rutschhemmung“ ist nur eine von vielen Vorschriften und Regelungen zum Arbeitsschutz. Diese Vorschrift soll unter anderem Sturzunfälle durch präventive Maßnahmen an Schuhen verhindern. Weiterführend weist die DGUV-Information 208-041 „Bewertung der Rutschgefahr unter Betriebsbedingungen“ auf entsprechende Gefährdungspotenziale an Arbeitsstätten hin. Die Infobroschüre beschreibt hier Gegebenheiten für den Fachbereich Handel und Logistik und stellt auf das Sachgebiet „Bauliche Einrichtungen und Leitern“ ab. Die Corona-Pandemie hat neue Regeln für den betrieblichen Arbeitsschutz hervorgebracht. Zusammengefasst wurden sie im vierseitigen BAuA -Bericht kompakt, 1. Auflage. Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2020. Projektnummer: F 2514, „Betrieblicher Arbeitsschutz in der Corona-Krise“. Der Bericht ist auch als herunterladbares PDF bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) erhältlich.

Was gibt es Neues im Arbeitsschutz

Besonders für kleine und mittlere Unternehmen, die Mitglied in der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) sind, lohnt es sich im Jahr 2021 in die Arbeitssicherheit zu investieren. Dabei unterstützt die BG BAU ihre Mitglieder mit einer Geldprämie. Bis zu 10.000 Euro können Unternehmen für Investitionen zur Vermeidung von Absturzunfällen erhalten. Und zwar unabhängig von Ihre BG-Beitragshöhe. Grundsätzlich übernimmt die BG BAU 50 Prozent der Anschaffungskosten für diverse Leitertypen, Arbeitsbühnen, Ein-Personen-Gerüste und vieles mehr – höchstens jedoch bis zu 10.000 Euro. Viele Betriebe gehen mit hochentzündlichen, mutagenen, ätzenden, krebserzeugenden und anderen Gefahrstoffen um. Solche Gefahrstoffe sollen reduziert werden. Deswegen besteht für jedes betroffene Unternehmen eine Pflicht zur Substitutionsprüfung. Die BAuA hilft dabei, auf sicherere Stoffe und Verfahren umzusteigen. Dafür betreibt sie die Datenbank SUBSPORTplus. Diese kann kostenlos genutzt werden. Sie beinhaltet ein paar Hundert Beispiele für bereits mögliche Substitutionen. Auch wenn solche Substitutionen nicht einfach sind, müssen sie nach Gesetzeslage trotzdem vorgenommen werden.

Arbeitsschutzrecht und Sturzunfälle

Das Arbeitsschutzrecht zeigt klar, dass du auch als vergleichsweise kleiner Unternehmer für die Arbeitssicherheit deiner Leute persönlich verantwortlich bist. Wenn du glaubst, hier sparen zu müssen, schneidest du dir bei einem Arbeitsunfall deiner Mitarbeiter definitiv ins eigene Fleisch. Und dafür genügt schon ein kleiner Ausrutscher. Stolper-, Rutsch- und Sturzunfälle gehören zu den häufigsten Arbeitsunfällen, die den Berufsgenossenschaften gemeldet werden. Liegt zum Beispiel keine aktuelle Gefährdungsbeurteilung für einen Arbeitsplatz vor, an dem ein entsprechender Unfall passiert ist, wirst du als Arbeitgeber in die Haftung genommen. Schon eine schlechte oder gar nicht vorhandene Beleuchtung von Durchgangs- und Verkehrswegen, Treppen und Stufen erhöhen das Unfallrisiko erheblich. Auch tiefer angelegte Türstürze oder lose auf dem Boden liegende Kabel führen schnell zu Stolperunfällen. All diese Gefährdungen müssen in einer Gefährdungsbeurteilung im Vorfeld dokumentiert sein. Ebenso Maßnahmen, Termine und Verantwortlichkeiten für die gänzliche oder teilweise Beseitigung dieser Gefährdungen. Inklusive der Dokumentation. Das betrifft auch die Mitarbeiterschulungen.

Die DGVU und Sturzprävention

Es gibt eine aktuelle Präventionskampagne der DGUV, der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen zur Vermeidung von Absturzunfällen. Die Präventionsfachgremien der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) befassen sich diesbezüglich mit dem Sachgebiet „Persönliche Schutzausrüstungen gegen Absturz / Rettungsausrüstungen“. Im Sachgebiet „Hochbau“ decken die DGUV-Präventionsfachgremien das Fachbereich „Bauwesen“ ab. Ebenso wird auch das Sachgebiet „Bauliche Einrichtungen und Leitern“ im Fachbereich „Handel und Logistik“ abgedeckt. Hier werden speziell Hilfestellungen zur Vermeidung von Abstürzen bei der Arbeitstätigkeit in Unternehmen entwickelt. Gefährliche Situationen können bereits im Vorfeld wirksam vermieden werden. Dabei spielen die Persönliche Schutzausrüstung (PSA) zur Absturzverhinderung wie zum Beispiel Sicherungsgürtel und Sicherungsseile, aber auch Seitenschutzsysteme sowie Schutznetze eine wichtige Rolle. „Durchschnittlich fast 2.900 Absturzunfälle jährlich zogen zwischen 2009 und 2019 zudem eine Unfallrente für die Betroffenen nach sich, wiesen also eine besondere Schwere auf. Für denselben Zeitraum wurden im Jahresdurschnitt knapp 42.000 Absturzunfälle insgesamt gezählt“, teilt die DGUV mit. Absturzunfälle können allerdings grundsätzlich vermieden werden. Allerdings nur mit Disziplin.

Welche Unfälle gehören zu tödlichsten?

Absturzunfälle gehören zu tödlichsten. In Deutschland stirbt in jeder Woche ein Mensch durch einen Absturz, klärt die DGUV auf. Zwar gibt es ausreichend viele verlässliche Absturzsicherungssysteme. Trotzdem konstatiert die DGUV, dass in den zurückliegenden fünf Jahren meldepflichtige Arbeitsunfälle dieser Kategorie nicht weniger wurden. Wegen der oft tödliche Folgen bei Abstürzen setzen die deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) und die Berufsgenossenschaften sowie die Unfallkassen konsequent auf Prävention. Die meisten Abstürze passieren nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) aus einer Höhe zwischen 5 und 10 Metern. Allerding führen auch Abstürze aus lediglich bis zu 2 Metern Höhe häufig zum Tod. Abstürze von Leitern etwa passieren meistens aus einer Höhe von 3 bis 5 Metern. Am häufigsten betroffen waren männliche Bauarbeiter, Hilfsarbeiter oder Elektromonteure. Über die Hälfte waren ausgebildete Facharbeiter. Rund 10 Prozent waren Ungelernte und fast 3 Prozent waren Azubis. Deutlich über 60 Prozent der tödlichen Absturz­unfälle passierten Menschen mit einer mindestens dreijährigen Berufserfahrung. Fast 73 Prozent der Unfallopfer waren älter als 40 Jahre.

Maßnahmen zum Schutz

Alle Absturzunfälle können vermieden werden. Alles zu tun, um die Arbeitssicherheit nach dem Arbeitssicherheitsgesetz (ASiG) zu gewährleisten, ist deine Aufgabe als Arbeitgeber. Du musst als Arbeitgeber sicherstellen, dass eine Gefährdungsbeurteilung nach § 5 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) erstellt wird. In dieser Gefährdungsbeurteilung werden sämtliche Gefährdungen an einem Arbeitsplatz erfasst sowie technische, organisatorische, terminliche und personelle Festlegungen getroffen. Ziel ist, die Gefährdungen ganz oder wenigstens soweit es möglich ist zu eliminieren. Außerdem bist du als Arbeitgeber verpflichtet, die Gefährdungsbeurteilung kontinuierlich fortzuschreiben und alles aktuell zu dokumentieren. Dies gilt auch für die Kontrolle der Wirksamkeit der eingeleiteten Maßnahmen. Nur die wenigsten Gefährdungsbeurteilungen hielten bei einer Auswertung eines Absturzunfalls den behördlichen Prüfungen stand. Als Arbeitgeber kannst du dir beim Werkstedter für deine Gefährdungsbeurteilungen kostengünstig professionelle Hilfe holen. Regelgerechtes Verhalten deiner Mitarbeiter setzt voraus, dass sie für die Risiken ihrer Arbeit entsprechend sensibilisiert und dazu präzise geschult werden. Dafür haftest du als Arbeitgeber persönlich mit deinem gesamten Privatvermögen.

Mehr über die gesetzliche Grundlage der Gefährdungsbeurteilung hier erfahren

Leitern auf Baustellen: was sind die Arbeitsschutzverordnungen?

Das Technische Regelwerk zu den Arbeitsschutzverordnungen „TRBS 2121 Teil 2: Gefährdungen von Beschäftigten durch Absturz bei Verwendung von Leitern“ regelt die Verwendung  von Leitern. Bei der Gefährdungsbeurteilung des Leitereinsatzes sind folgende Punkte zu beachten:

  1. Einsatz, Aufgabe, Verwendung
    z. B. einzusetzende Körperkraft, Schwierigkeit der Tätigkeit, Höhenunterschied, Ergonomie,
    Transport, Aufstellung, bauliches Umfeld
  2. Häufigkeit und Dauer des Leitereinsatzes
    Wie oft und wie lange wird auf einer Leiter oder mehreren gearbeitet. Und wer ist wie lange welchen Gefährdungen ausgesetzt?
  3. Art des Arbeitsmittels
    z. B. Bauart der Leiter (Abmessung, Traglast, Anbauteile, Zubehör)
  4. Umgebungsbedingungen
    z. B. Witterung, Wechselwirkungen zur Umgebung, Aufstellort und Beschaffenheit sowie Sicherheit des Untergrundes
  5. Standsicherheit und Anbauteile
    Muss die Leiter zum Beispiel wegen eines Bodengefälles besonders gesichert werden? Welche Anbauteile beeinflussen die Standsicherheit der Leiter in welcher Weise?
  6. Zubehör
    Wird Leiterzubehör verwendet? Zum Beispiel Bodentraversen, einhakbare Standpodeste, Ablageschalen, Eimerhaken, Firstüberwurfbügel. Wenn solche Zubehörteile verwendet werden, beeinflussen sie die Arbeitssicherheit und müssen in der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigt werden.

Umgang mit Leitern

Mitarbeiterunterweisung zum Arbeiten mit Leitern und Tritten: Arbeitsunfälle vermeiden

Hubarbeitsbühnen: welche sind die Sicherheitseinrichtungen?

Fahrbare Hubarbeitsbühnen unterscheiden sich nach ihrer Bauart in Teleskop- und Stempelmastbühnen oder Gelenkarm- und Scherenbühnen. Sicherheitseinrichtungen verhindern das Umkippen der Hubarbeitsbühnen:

  1. Stellungsüberwachung 
  2. Momentmesseinrichtung
  3. Lastmesseinrichtung
  4. Stützdrucküberwachung

Diese Sicherheitseinrichtungen sind gegen unbefugten Zugriff verplombt. 

Als Arbeitgeber musst du geeignetes Bedienpersonal für den Betrieb einer fahrbaren Hubarbeitsbühne auswählen und schriftlich beauftragen. Arbeitgeber müssen eine Gefährdungsbeurteilung, eine Betriebsanweisung sowie ein Rettungskonzept erstellen. Das Bedienpersonal ist vor Arbeitsbeginn an der Maschine einzuweisen. Mitarbeiter müssen pro Jahr oder vor jeder neuen Aufgabe zu den besonderen Gefährdungen unterwiesen werden. Falls es erforderlich ist, muss der Arbeitgeber auch persönliche Schutzausrüstung (PSA) gegen Absturzunfälle zur Verfügung stellen. So müssen zum Beispiel auf allen Auslegerbühnen wegen des Peitscheneffekts PSA gegen Absturz als Rückhaltesystem zum Einsatz kommen.

Gefährdung von Beschäftigten bei der Verwendung von Leitern

Leitern brauchen immer einen sicheren, standfesten Untergrund. In manchen Fällen müssen sie zusätzlich gegen seitliches Kippen gesichert werden. Auch bei kleinen Leitern und Tritten mit einer Höhe von unter einem bis zu zwei Metern müssen Sicherheitsvorschriften unbedingt beachtet werden. Denn bereits aus einer vergleichsweise geringen Fallhöhe können üble Stürze mit schweren Verletzungen oder sogar Todesfolge entstehen.

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